Inhalt



1. Was ist Liturgie?

2. Warum gibt es in der Kirche Priester?

3. Warum gibt es Meßdiener?

4. Das Wichtigste: die innere Haltung

5. Der Leib
a) leibliche Vorbereitung
b) Der ganze Leib
c) Der Rumpf, die Brust, das Herz
d) Der Kopf
e) Die Hände
f) Die Beine

6. Haltungen und Bewegungen
a) Stehen
b) Gehen
c) Knien
d) Liegen
e) Verneigung und Kniebeuge
f) Kreuzzeichen
g) Sitzen
h) Hören
i) Singen – Sprechen – Schweigen

7. Personen
a) Bischof, Priester, Diakon
b) Mitmeßdiener
c) Volk/Gemeinde

8. Orte
a) Kirche
b) Altar
c) Ambo
d) Tabernakel und Ewiges Licht

9. Materie
a) Brot und Wein
b) Wasser (Taufwasser, Weihwasser)
c) Gold
d) Weihrauch
e) Leinen
f) Wachs
g) Stein

10. Geräte
a) Kelch und Patene/Ziborium/Hostienschale
b) Wein- und Wasserkannen, Kelchlöffel
c) Weihrauchfaß und –schiffchen
d) Leuchter und Kerzen
e) Lavabogerät (Handwaschung)
f) Glocken und Schellen
g) Orgel
h) Fahnen

11. Gewänder
a) Albe und Rochett, Altarwäsche
b) Talar und Soutane/Toga
c) Schultertuch/Humerale (Amikt)
d) Zingulum
e) Stola
f) Kasel (Meßgewand) und Dalmatik
g) Manipel
h) Mitra und Stab
i) Velum (Kelch-, Schulter-)
h) Antependium



1. Assistenten (Altardienst)

2. Akoluthen (Buch- und Leuchterdienst)

3.Thurifer (Weihrauch)

4. Kreuzträger und Evangelienleuchter

5. Ceroferare (Flambeauxträger)

6. Reihenfolge bei Ein-, Auszug und Prozessionen







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Vorwort

Als ich im dritten Schuljahr war und unser Pastor in der Schule fragte, wer von uns Meßdiener werden wolle, begann für mich eine neue, ja entscheidende Phase des Glaubens: Ich wollte es, und ich lernte beim Dienst am Altar, immer tiefer in die Geheimnisse unseres Glaubens einzudringen. Die Diskussionen bei den Proben, wie man was richtig, das heißt sinnvoll tut, haben mir geholfen zu begreifen, was wir eigentlich tun, wenn wir Liturgie feiern. Als Meßdiener am Altar feierte ich die Liturgie viel intensiver mit. Vom äußeren Tun kam ich leicht zu einer inneren Teilnahme.

Heute „boomt“ das Meßdiener-„Geschäft“. Es gibt so viele Ministranten wie nie zuvor – gerade in unserem Kulturkreis, wo das kirchliche Leben ansonsten eher abnimmt. Die jungen Christen, die sich als Ministranten engagieren, tun nicht nur etwas für den eigenen Glauben, sie sind auch Zeugen für Christus. Das verdient heute viel höhere Anerkennung als zu den Zeiten, als es noch selbstverständlich war, Christ zu sein und zur Kirche zu gehen.

Als Priester schätze ich die Arbeit mit den Meßdienern sehr, denn hier gibt es viele Möglichkeiten, mit den heranwachsenden Christen in Kontakt zu kommen und ihnen die Inhalte unseres Glaubens nahezubringen. Als Meßdienern werden ihnen Verantwortung und wichtige Aufgaben übertragen. Das schätzen sie und sie tun es deshalb gern.

Wichtig ist daher, sie richtig zu schulen. Man soll sie und ihren Dienst ernst nehmen. Es wäre schädlich, wenn man „alles nicht so wichtig“ nähme. Sie wollen es genau wissen und gut machen.

Diese Ministrantenschule ist ein Beitrag dazu. Sie kommt aus der Praxis und soll vor allem den Meßdienerleitern und all denen eine Hilfe sein, die mit den Ministranten üben. Entstanden ist die Idee in meiner ersten Kaplansgemeinde, St. Remigius Borken, wo ich von 1997 bis 2001 als Kanonikus wirken durfte. Die damaligen Notizen waren genau auf die dortigen Gegebenheiten und Bräuche abgestimmt. Nach einer weiteren Kaplansstelle in St. Johannes Kirchhellen und fünf Jahren als Pfarrer an St. Urban Ottmarsbocholt und St. Johannes Venne, wo ich ebenfalls für die Ministranten verantwortlich war, sind weitere Erfahrungen eingeflossen. Die Hinweise sind nun verallgemeinert, überarbeitet und erweitert – in der Hoffnung, daß sie für alle Kirchen anwendbar sind und so einen kleinen Beitrag zur liturgischen Kultur und Bildung leisten können.

Unseren süddeutschen Brüdern und Schwestern sei gesagt, daß man hier in Nordwestdeutschland immer „Meßdiener“ sagt, wo es bei ihnen „Ministranten“ heißt – auch wenn die Ministranten außerhalb der Messe dienen. Und die anderen bitte ich umgekehrt um Verständnis, wenn gelegentlich von Ministranten die Rede ist, wo sie Meßdiener sagen würden. Soviel „Ökumene“ muß sein ...

Die Beschreibung der einzelnen Dienste bezieht sich auf den Ordo Novus, also die Form der heiligen Messe, die heute allgemein üblich ist. Daneben gibt es die außerordentliche Form des Römischen Ritus, die sogenannte Alte Messe, die seit 2007 wieder allgemein erlaubt ist. Die Wege zum und am Altar sind im allgemeinen so beschrieben, daß sie an einem freistehenden Altar „funktionieren“, an dem der Priester zum Volk hin betet, weil dies in den meisten Fällen so geschieht.

Wer über ein Fremdwort oder einen Fachbegriff stolpert oder wen die griechischen Buchstaben irritieren, lese einfach weiter. Manches ist im Kleinen Liturgischen Lexikon am Ende erläutert.

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Grundsätze

1. Was ist Liturgie?

Wenn wir Christen zum gemeinsamen Gebet, z.B. zur heiligen Messe oder anderen Formen des Gottesdienstes zusammenkommen, dann heißt das „Liturgie“. Das Wort kommt vom griechischen leiturgía und bedeutet „öffentliches Werk“ oder „Werk des Volkes“: Das Volk Gottes tritt in der Liturgie öffentlich, offiziell vor Gott. „Leiturgía“ kann man aber auch mit „Werk (Gottes) am Volk“ übersetzen: Gott schenkt uns in ihr sein Heil.

Wir feiern Liturgie, vor allem die Messe, im Auftrag des Herrn, der uns in der Taufe zu einem neuen, heiligen Volk gemacht hat. Unser Dienst ist der Dank für die Erlösung von Tod und Sünde. In diesem Dank (griechisch: eucharistía) nehmen wir Teil am Kreuzesopfer Christi, vor allem, weil er uns seinen Leib und sein Blut als Speise und Trank schenkt, so daß wir mit ihm eins werden.

In der Kommunion (lat. commúnio=Vereinigung) macht Jesus sich eins mit uns. Dadurch sind wir geheiligt und zur Heiligung der Welt da: Wir sollen Gott zu den Menschen bringen (durch das Bekenntnis des Glauben und die Nächstenliebe) und die Menschen zu Gott (durch das Gebet). So sind wir Christen die Mittler zwischen Gott und Welt. Das meint der heilige Apostel Petrus, wenn er in seinem ersten Brief schreibt:

„Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. [...] Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1Petr 2, 5-9)


2. Warum gibt es in der Kirche Priester?

Jesus beauftragte seine Apostel beim Letzten Abendmahl, das Gedächtnis an ihn mit Brot und Wein und den Worten, die er darüber gesprochen hat, zu begehen. Nach der Auferstehung begegnete Jesus den Jüngern im Abendmahlssaal und immer wieder beim Mahl. Seit dem halten die Christen am Sonntag, dem Tag der Auferstehung, die hl. Messe. Schon von den ersten Christen erzählt die Apostelgeschichte: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.“ (Apg 2, 42) Das ist bis heute so.

„Brechen des Brotes“ ist der älteste Ausdruck für die Feier der heiligen Messe. Die Apostel haben diese Feier im Auftrag Jesu („Tut dies zu meinem Gedächtnis!“) geleitet. Heute tun das die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, und – von den Bischöfen dazu beauftragt und geweiht – die Priester.[1] Sie haben den Auftrag und die Vollmacht dazu durch die Weihe bekommen.

Die Weihe durch Handauflegung und Gebet geht in einer Reihe der Bischöfe durch die Jahrhunderte zurück bis zu den Aposteln. Man nennt diese Reihe der Weihe „apostolische Sukzession (=Nachfolge)“. Es gibt keine gültige Meßfeier ohne Bischof oder Priester, weil nur die Weihe die Vollmacht zur Wandlung von Brot und Wein erteilt.


3. Warum gibt es Meßdiener?

„Ministrant“ (minístrans = Dienender) heißt der Meßdiener offiziell. Ein anderes Wort ist Akolúth, was Gefolgsmann/-frau heißt. Damit ist schon gesagt, wozu die Meßdiener da sind: Zum Dienen und zum Folgen.

Dienen: Die Ministranten dienen Gott und der Kirche. Sie helfen dem Priester, der im Namen Christi und der Kirche der liturgischen Feier vorsteht, die Gebete vorträgt und das Opfer Christi mit den Gläubigen feiert. Die Meßdiener helfen bei diesem heiligen Tun, ja sie sind selbst ein wichtiger Teil dieses Tuns. Sie vertreten die Gemeinde am Altar: Was sie tun, ist eigentlich der Dienst aller Gläubigen, die es innerlich mitvollziehen sollen. Es handelt sich also nicht nur um technische Handreichungen. Viele Dienste der Ministranten könnten, praktisch gesehen, auch wegfallen: Der Priester könnte beim Tagesgebet das Meßbuch selbst halten, der Küster könnte die Gaben sofort auf den Altar stellen. Der Ministrantendienst macht deutlich: Das Tagesgebet ist nicht Privatsache des Priesters, es ist Gebet der ganzen Kirche. Die Gabenbereitung ist ein Tun aller Gläubigen: Mit Brot und Wein bringen wir alle etwas zum Altar; unsere Gaben, unsere Freude, unsere Angst und Not und die anderer Menschen, für die wir beten, damit Gott alles verwandle in sein göttliches Leben. Ähnliches gilt für alle Dienste der Ministranten.

So dienen die Ministranten auch Gott: Sie machen sichtbar, daß er uns in seiner Nähe haben will und in seinen Dienst ruft. Das machen die Meßdiener am Altar besonders gut deutlich.

Die Meßdiener machen die Liturgie feierlich. Was wäre eine Christmette oder auch „nur“ eine normale Sonntagsmesse ohne Meßdiener! Indem sie ihren Beitrag zu einer festlichen Liturgie leisten, loben sie Gott und dienen ihm. Außerdem helfen sie den anderen Gläubigen beim Beten, wenn diese sehen, daß die Ministranten ihren Dienst in Freude und Ehrfurcht vollziehen.

Folgen: Die Meßdiener sind, wie alle anderen Christen auch, Gefolgsleute Jesu. Sie stellen dieses Nachfolgen in der Liturgie dar, indem sie bei Ein- und Auszug dem Kreuz folgen, in der aufmerksamen Mitfeier und im Hören auf Gottes Wort. Was wäre das für ein Gefolgsmann, der nicht auf seinen Herrn hört!

Das Folgen beginnt nicht mit dem Anfang der liturgischen Feier und hört mit ihrem Ende nicht auf: Die Messe ist der Höhepunkt des christlichen Lebens, aber nicht das einzig Christliche, das wir im Laufe einer Woche tun. Jesus folgen heißt, leben, wie er es gesagt und es uns vorgelebt hat; leben im Gebet, also in der Beziehung zu Gott, leben zum Zeugnis für Gott und die Kirche, leben in der Bereitschaft zur Vergebung und in der Liebe zu allen Menschen. (Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ Joh 13, 34f)


4. Das Wichtigste: Die innere Haltung

Liturgie (und damit auch der Ministrantendienst) darf also kein „Job“ und kein Schauspiel sein, das mit unserem sonstigen Leben nichts zu tun hat. Wenn die Liturgie in unser Leben eingebettet ist, wenn ich auch sonst mit Gott spreche und mich bemühe, nach seinem Willen zu leben, dann wird mir die liturgische Feier aus dem Herzen sprechen und ich werde Gottes Stimme in ihr immer deutlicher wahrnehmen.

Manches in der Liturgie wird mir gerade am Anfang fremd und unverständlich sein. Das hängt mit der 2000jährigen Geschichte unserer Kirche zusammen: Unser Glaube und seine Formen sind nicht selbstgemacht, wir haben sie von den Christen, die vor uns gelebt haben, geerbt. Manches ist sogar noch älter, weil es aus dem Judentum stammt. Es ist eine spannende Sache, sich dieses Unbekannte zu erobern und zu eigen zu machen – dann wird es für mich auf einmal wichtig und unverzichtbar.

Mit dieser Haltung werde ich die Liturgie auch äußerlich anders mitfeiern. Ich bekomme dann eine Beziehung zu Haltungen, Gesten, Gesängen, Geräten usw.. Ich mache mir die Liturgie zu eigen.

Es geht also darum, aufmerksam, konzentriert und aufgeschlossen zu sein. Gott will mir in den Zeichen und Worten begegnen, etwas sagen, sich mitteilen. Das erfordert meine Bereitschaft, meine Ausdauer, vor allem auch meinen Glauben an seine Gegenwart und meine Ehrfurcht vor ihm.

Hierzu gehört, daß ich im Kirchenraum und erst recht in der Liturgie schweige – wenn ich gerade nicht mitbete oder -singe, ebenso, daß ich nicht laufe („renne“), nicht herumalbere und mich auch ansonsten ordentlich benehme. Grundsätzlich werde ich mich also aus Ehrfurcht vor Gott rücksichtsvoll und angemessen gegenüber dem heiligen Raum, der heiligen Feier und meinen Schwestern und Brüdern verhalten.


5. Der Leib

a) Leibliche Vorbereitung

Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein,
Wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.
(Ps 50 [51], 9)

Wer zu einer wichtigen Begegnung geht, bereitet sich vor: Vor einem Fest duscht man sich und zieht sich sich frische Sachen an. Auf ein Bewerbungsgespräch bereitet man sich vor und überlegt, wie man auftritt. Wer seiner Freundin oder seinem Freund seine Liebe erklären will, wird auf die letzte Kleinigkeit achten, damit der entscheidende Augenblick gelingt.

So soll es auch bei der Begegnung mit dem Herrn in der Liturgie sein. Wenn wir uns bereits zu Hause darauf vorbereiten, wird sie besser gelingen: So sollten die Meßdiener bereits vor der Messe, z.B. wenn sie abends zum Dienen aufgestellt sind, schon am Nachmittag daran denken, daß sie genügend Zeit einplanen, um sich wenigstens die Hände zu waschen, zu prüfen, ob die Fingernägel sauber sind, sich zu kämmen und um den Dreck vom Fußballspiel von den Schuhen zu bürsten oder saubere, am besten schwarze oder dunkle, geschlossene Schuhe anzuziehen. Vor allem in der Winter- und Heuschnupfenzeit sollte man auch an ein Taschentuch denken. Wenn der Talar auch die Straßenkleidung bedeckt, sollte man doch nicht mit dreckiger oder allzu lässiger oder knapper Kleidung zur Kirche gehen. Kapuzenpullis sind ungünstig, weil die Kapuze über dem Talar nicht aussieht und darunter einen Buckel macht.

Unser Leib betet mit. Wenn wir auch den Leib auf die Liturgie vorbereiten, wird unsere Seele leichter mit Gott in Kontakt kommen. Wie unser Leib weiter in das Beten einbezogen ist, wird nun beschrieben.


b) Der ganze Leib

Ich will dir danken aus ganzem Herzen,
dir vor den Engeln singen und spielen; 
ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin
und deinem Namen danken für deine Huld und Treue.
denn du hast die Worte meines Mundes gehört,
deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.
(Ps 137 [138], 1f)

Der ganze Leib betet. Das kann man an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Setz dich mal möglichst lässig hin und sage: „Gott, ich liebe dich!“ Dann stelle dich hin, breite die Arme nach oben hin aus, hebe leicht den Kopf, schaut auf ein Kreuz und sage dasselbe. Merkst du den Unterschied? Noch einmal kann man einen Unterschied merken, wenn man dasselbe Gebet spricht oder singt (z.B. „Großer Gott, wir loben dich!“). Oder sprich „Herr, erbarme dich“ sitzend, dann stehend, dann kniend mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf.


c) Der Rumpf, die Brust, das Herz

Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,
der Herr aber sieht das Herz.
(1Sam 16, 7)

Der Rumpf unseres Körpers ist seine Mitte. In ihm spüren wir freudiges Kribbeln, Glücksgefühle und auch beklemmende Angst. Der Rumpf birgt unser Herz, das nicht nur Blutpumpe, sondern Mitte des Menschen ist; es pocht heftig, wenn wir uns freuen, fürchten oder aufgeregt sind.

Der Apostel Johannes lag beim Letzten Abendmahl an der Brust Jesu (Joh 13, 25; vgl. Joh 21, 20) – ein Zeichen besonderer Nähe und Liebe: Dieser Jünger war besonders nah am Herzen Jesu.

In der Liturgie sollte der Rumpf gerade, aber nicht überspannt sein. Vor der Mitte der Brust (Herzhöhe) faltet man die Hände. Wenn man in einer Hand etwas zu tragen hat, legt man die freie Hand flach auf die Brust. Diese Gesten dienen der inneren Sammlung.

Beim Schuldbekenntnis schlägt man sich mit der Faust dreimal an die Brust – „Ich selbst bin es, der schuldig geworden ist, nicht nur die anderen oder die Umstände oder der schlechte Einfluß ...“ (vgl. Lk 18, 13: Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!)

Manche Gläubige schlagen sich auch beim „Herr, ich bin nicht würdig“ vor der Kommunion an die Brust. Das soll bedeuten: Daß ich in diesem Stück Brot Jesus erkennen darf, der für meine Sünden gestorben ist, ist mir nicht egal, das „betrifft“ mich, geht mein Innerstes an. (Vgl. Lk 23, 47f: Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg.)


d) Der Kopf

Du salbst mein Haupt mit Öl.
(Ps 22 [23], 5)

Der Kopf ist die „Krone“ unseres Leibes, er beherbergt unsere wichtigsten Sinnesorgane: Augen, Ohren, Nase, Geschmackssinn. Der Kopf ist mit Ohren, Augen und Mund Kommunikationszentrum des Menschen. Das Gehirn ist Sitz von Persönlichkeit und Intelligenz, die Zentrale unseres körperlichen und psychischen Lebens.

Unser Gesicht ist Ausdruck unserer Persönlichkeit und unserer Stimmung. Die Augen heißen auch „Fenster zur Seele.“

Den Kopf hängen lassen, die Nase hoch tragen, „Kopf hoch!“ – in diesen Redeweisen wird deutlich, was der Kopf über unser Inneres sagt.

So ist eine aufrechte Kopfhaltung in der Liturgie Zeichen für Freiheit und Würde des Christen. Eine Verneigung mit dem Kopf erweist Ehrfurcht vor Gott oder Achtung oder dem Mitchristen.


e) Die Hände

Ich breite die Hände aus zu dir;
meine Seele dürstet nach dir wie lechzendes Land.
Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes.
Laß das Werk unsrer Hände gedeihen,
ja, laß gedeihen das Werk unsrer Hände!
(Ps 142 [143], 6 und Ps 89 [90], 17)

Die Geschicklichkeit seiner Hände unterscheidet den Menschen stark von den Tieren. Mit den Händen wird gearbeitet, werden Zärtlichkeit aber auch Brutalität ausgetauscht. Hände packen an und helfen. Hände schaffen Kunstwerke.

Zum Beten faltet man die Hände: Sie ruhen nun, der Mensch ist ganz bei sich, weil das Eigentliche im Leben nicht zu machen ist, sondern von Gott geschenkt wird.

Die ausgebreiteten Hände sind die alte christliche Gebetshaltung: Nach oben offen und zu einem Kreuz oder Altar oder nach Osten gewandt (die aufgehende Sonne ist Zeichen für den auferstandenen und wiederkommenden Christus) sind die Hände Zeichen dafür, daß wir alles von Gott erwarten – ähnlich einem kleinen Kind, das von seiner Mutter etwas haben oder auf den Arm genommen werden will.

Probiere dieses Beten mit offenen Händen einmal aus! Nachdem man sich daran gewöhnt hat, will man es gar nicht mehr lassen.


f) Die Beine

Er sagte zu mir: Stell dich auf deine Füße, Menschensohn;
ich will mit dir reden.
(Ez 2, 1)

Die Beine und Füße ermöglichen uns ein aufrechtes Stehen, das nur dem Menschen als Normalhaltung zu eigen ist, und die verschiedenen Weisen der Fortbewegung: vom Kriechen und Schleichen bis zum Rennen, vom Schlurfen bis zum Tanzen.

Die normale Haltung in der Liturgie ist das Stehen – nicht das Knien oder Sitzen, was ja auch denkbar wäre –, weil wir von Gott erlöst sind und ihm aufrecht als von ihm geliebte Freunde gegenübertreten dürfen. Früher gab es in den Kirchen keine Bänke!


6. Haltungen und Bewegungen

a) Stehen

Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her!
Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm:
Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
(Mk 10, 49)

Wenn man in der Liturgie steht, dann ist das mehr als ein zufälliges Sich-an-einem-Ort-befinden. Es ist ein bewußtes Da-Stehen vor Gott mit den Brüdern und Schwestern: „Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.“ (Zweiter Meßkanon) Der aufrecht stehende Mensch spannt sich aus zwischen Himmel und Erde.

Das Stehen ist die liturgische Grundhaltung, die Haltung von Freien und Erlösten, die sich zur Feier und Begegnung mit ihrem Herrn versammelt haben. Es ist auch Ausdruck der Achtung vor Gott, der Aufmerksamkeit und der Bereitschaft „loszugehen“ und nach seinem Wort zu handeln.

Beim Stehen befinden sich die Füße leicht nach außen gedreht relativ eng beieinander, aber nicht in einem militärischen „Stillgestanden“, bei dem die Hacken sich berühren. Es ist also eine gespannte, aufmerksame und zugleich ruhige, friedvolle Haltung.

Der Körper ist über Wirbelsäule und Schultern bis zum Scheitel aufrecht. Dazu gehört ein gutes Körperbewußtsein, das weiß, daß der Körper der Ausdruck unserer Seele ist.


b) Gehen

Ich freute mich, als man mir sagte:
„Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“
Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:
Jerusalem, du starke Stadt,
dicht gebaut und fest gefügt.
Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,
wie es Israel geboten ist, den Namen des Herrn zu preisen.
(Ps 121 [122], 1-4)

Die Fortbewegungsweise in der Liturgie ist das Schreiten. Das ist ein langsames, feierliches Gehen in gesammelter Haltung (d. h. mit vor der Brust gefalteten Händen, soweit man nichts trägt).

Es dient – neben der Fortbewegung – erstens dazu, daß man im Fortschreiten sozusagen bei sich bleibt, seine Situation, seine Stimmung, seine Gedanken wahrnimmt und „mitnimmt“, also innerlich nicht schon da ist, wohin man sich erst auf dem Weg befindet, oder ganz woanders.

Zweitens hilft das Schreiten, das Ziel des Gehens wahrzunehmen: Es ist etwas anderes, ob ich zu Hause vom Sofa aufstehe, um aus der Küche etwas zum Knabbern zu holen, oder ob ich zur Feier der heiligen Messe zum Altar gehe.


c) Knien

Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit,
kniete nieder und betete.
(Lk 22, 41)

Im Knien machen wir uns vor einem anderen klein und erkennen damit an, daß der andere größer, würdiger, mächtiger ist. Außerdem knien wir nieder, wenn wir jemanden inständig um etwas bitten oder ihm von ganzem Herzen danken. Wer kniet, macht sich wehrlos, „ergibt“ sich.

In die christliche Liturgie hat das Knien erst spät Einzug gehalten, für das private Gebet aber ist es schon in der Bibel bezeugt.

Wir knien heutzutage vor allem beim eucharistischen Hochgebet, weil sich darin das Geheimnis der Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ereignet, und vor/bei der Kommunion. Wir sagen mit unserem Knien: „Mein Herr und mein Gott, ich kann es mit meinem kleinen Verstand nicht fassen, was hier geschieht, aber ich glaube und weiß, daß du nun hier bist und dich mir schenkst, obwohl ich es nicht verdient habe. Ich danke dir und bete dich an.“


d) Liegen

Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder.
(Mt 28, 17)

Am Karfreitag liegen die Priester und Diakone (und Meßdiener) zu Beginn der eindrucksvollen Liturgie vom Leiden und Sterben Christi schweigend am Boden. Vor dem Kreuzestod des Gottessohnes gibt es kein besseres und ergreifenderes Zeichen.

Vor der Weihe von Bischöfen, Priestern und Diakonen liegen die Kandidaten zur Allerheiligenlitanei auf dem Boden. Das bedeutet: Sie geben sich Gott hin; Gott muß tun, was nun geschehen soll; es steht nicht in unserer Macht!

Probier mal aus, wie es sich flach vor Gott ausgestreckt betet! Da liegt der kleine Mensch vor dem unendlichen Gott und gibt sich in seine Hand.


e) Verneigung und Kniebeuge

Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,
laßt uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
(Ps 94 [95], 6)

Verneigung und Kniebeuge sind „Kurzformen“ von Liegen und Knien, also Zeichen der Ehrfurcht und der Anbetung.

Die Kniebeuge gilt als hierzulande stärkere Form des Erniedrigens und Anbetens dem Allerheiligsten, dem in Brot (und Wein) gegenwärtigen Herrn. Deshalb machen wir beim Betreten und Verlassen der Kirche eine Kniebeuge zum Tabernakel. In einer Kapelle ohne Tabernakel macht man eine Verneigung zum Altar.

In der Liturgie ist das Tabernakel „außer Konkurrenz“: Zwar ist Jesus dort gegenwärtig, aber nun begeht man die heilige Messe, die Feier seines Kreuzesopfers, in der er neu gegenwärtig wird. Daher macht man in manchen Kirchen nur zu Beginn und am Ende der Messe eine Kniebeuge zum Tabernakel, sonst (eine Verneigung) zum Altar, anderswo läßt man in der Messe das Tabernakel ganz außer acht und verehrt nur den Altar.

Kniebeuge: Man kniet mit dem rechten Knie neben der linken Hacke nieder. Dazu setzt man den rechten Fuß nach hinten. Der Oberkörper bleibt gerade und bildet mit dem rechten Oberschenkel eine Linie. Die Hände bleiben, wenn man sie frei hat, vor der Brust gefaltet. Das Aufstehen von der Kniebeuge erfolgt umgekehrt.

Doppelte Kniebeuge mit Verneigung (vor dem ausgesetzten Allerheiligsten): Man macht eine einfache Kniebeuge, zieht aber auch das linke Knie nach, so daß man mit beiden Knien auf dem Boden kniet. Dann neigt man den Kopf. Zum Aufstehen zieht man zuerst den linken Fuß vor, drückt sich hoch und zieht den rechen Fuß nach, so daß man wieder auf beiden Füßen steht. Die doppelte Kniebeuge kommt in der Liturgie nicht vor; man macht sie nur „privat“.

Verneigung: Man unterscheidet (leichte) Kopf-, (mitteltiefe) Brust- und (tiefe) Rumpfverneigung. Die Kopfverneigung ist eine Ehrenbezeugung gegenüber Personen, so z.B. wenn man dem Priester das Meßbuch zum Tagesgebet gehalten oder wenn man etwas zum Altar gebracht hat. Mit diesem Zeichen erinnern wir uns daran, daß uns in unserem Nächsten Christus begegnet (Jesus sagt in Mt 25, 40: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“), besonders im geweihten Priester.

Die Brustverneigung ist eine Verehrung und Anbetung Gottes. Man macht sie, wenn man während der Messe die Kirche verläßt oder betritt (z.B. wenn man Weihrauch holt oder wegbringt), falls man nicht eine Kniebeuge macht.

Zur Vorbereitung auf die Verkündigung des Evangeliums und auf das Hochgebet macht der Priester beim jeweiligen Vorbereitungsgebet eine Rumpfverneigung als Ausdruck der Bitte um den Heiligen Geist für das, was er nun tut.


f) Kreuzzeichen

Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib,
damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.
(2Kor 4, 10)

Zu Beginn der Gottesdienste und des persönlichen Gebets machen wir das Zeichen des Kreuzes über uns, an dem Jesus den Tod für uns gelitten hat. Dazu sprechen wir in der Messe und beim Gebet: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Beim Stundengebet heißt es „O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen.“ (Ps 69 [70], 2), in der Sakristei vor dem Einzug: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Der Himmel und Erde erschaffen hat.“ (Ps 123 [124], 8)

Das Kreuzzeichen ist schon seit dem zweiten Jahrhundert belegt. Man kann also annehmen, daß es schon sehr früh von den Christen praktiziert wurde. Im Altertum benutzte man dabei, an den Spitzen zusammengelegt, Daumen, Zeige- und Mittelfinger (drei Finger für die Dreifaltigkeit). Seit dem achten Jahrundert kommt im Westen der Brauch auf, nur Zeige- und Mittelfinger zu benutzen (zwei Naturen Christi: Gottheit und Menschheit).

Beim Kreuzzeichen berühren wir die Stirn, die Brust und die Schultern. Gemeint sind der Geist (Gedanken), das Herz (Gefühle) und der tätige Leib (Taten). Sie sollen im Zeichen des Kreuzes gesegnet sein und alles in uns soll sich auf Gott ausrichten.

Vor dem Evangelium machen wir drei kleine Kreuze auf die Stirn, den Mund und die Brust: Durch das Hören der Frohen Botschaft soll Gott unsere Gedanken, unsere Worte und unser Herz, die Personmitte segnen.

Beim großen Kreuzzeichen sind die Finger an beiden Händen ausgestreckt, die Daumen liegen an. Die linke Hand liegt flach auf der unteren Brust, also am Übergang von Brust und Bauch. Hand und Unterarm bilden eine gerade Linie. Mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand berührt man zuerst die Stirn, dann die Brust (oberhalb der linken Hand), dann die linke und zum Schluß die rechte Schulter. Danach faltet man die Hände wieder.

Die Christen der Ostkirche machen das Kreuzzeichen übrigens anders herum: Nach Stirn und Brust berühren sie zuerst die rechte Schulter und ziehen den „Querbalken“ schräg herunter nach links direkt auf das Herz. Wenn man nach Osten blickt, geht also die Bewegung (wie bei uns) zuerst von oben nach unten, d.h. vom Himmel zur Erde), und dann von Süden nach Norden, also aus dem Licht in die Finsternis. Damit ist gemeint, daß Christus, das Licht der Welt, in die Dunkelkeit des Unglaubens und der Gottesferne gebracht werden will. Bis ins zwölfte Jahrhundert haben wir im Westen das Kreuzzeichen auch so gemacht.

Beim kleinen Kreuzzeichen vor dem Evangelium wird der rechte Daumen abgespreizt. Die übrigen Finger sind gerade und liegen aneinander. Mit dem Daumen macht man drei kleine Kreuze auf Stirn, Mund und Brust, während die rechte Hand auf der Brust liegt, wie beim großen Kreuzzeichen.

Wenn Personen oder Dinge gesegnet werden, macht der Bischof, Priester oder Diakon ein Kreuzzeichen darüber. Der Bischof segnet die Gemeinde sogar mit drei Kreuzzeichen. (Pontifikalsegen)

g) Sitzen

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.
(Lk 10, 39)

Das Sitzen ist die Haltung, in der wir am besten zuhören können. Wenn wir in der Liturgie sitzen, wenden wir uns aufmerksam dem Wort Gottes zu und versuchen, darauf zu hören, was er uns jetzt sagen will. Deshalb sollte man darauf achten, daß man auch im Sitzen die Spannung nicht verliert. Also soll der Oberkörper gerade bleiben. 

Übereinandergeschlagene Beine sind für Meßdiener im Dienst unangemessen – und für alle in der Liturgie und überhaupt in der Kirche nicht angebracht.

Die Hände liegen beim Sitzen flach auf den Oberschenkeln.


h) Hören

Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen,
die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören,
daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.
(Lk 8, 15)

Es gibt drei Arten des Hörens in der Liturgie:

1.) Hören auf Gottes Wort. Es dient nicht nur der Information über das, was in der Bibel steht (oft kennt man die Texte ja schon), sondern soll dazu führen, daß Gott uns durch den heiligen Text Gott erreichen kann.

2.) Hören der persönlichen Worte des Priesters (oder des Predigers). Sie sind nicht Gottes Wort, wollen aber eine Brücke zwischen dem Wort Gottes oder der liturgischen Feier und unserem Alltag schlagen. Während ich also beim Hören der Bibelworte betend fragen kann: „Gott, was sagst du mir in meiner Situation mit diesen Worten?“, kann ich die persönlichen Worte des Zelebranten oder Predigers eher als Anregungen für mein Leben verstehen.

3.) Das mitbetende Hören. Der Priester sagt vor Tages-, Gaben- und Schlußgebet: „Lasset uns beten!“ Zu Beginn des Hochgebets heißt es: „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott!“ Die Gebete, die der Priester allein vorträgt, sind immer in Wir-Form gehalten. Sie sind Gebete der ganzen Kirche, die der Priester im Namen aller singt oder spricht. Das Hören in diesem Falle ist sehr anspruchsvoll: Es geht darum, das Gehörte zu verstehen und mitzuvollziehen (also zum eigenen Gebet zu machen). Wir bestätigen das im „Amen“, das bedeutet: „Ja, so sei es: Dieses Gebet ist unser, mein Gebet!“


i) Singen – Sprechen – Schweigen

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Gemeinde dich preisen.
(Ps 21 [22], 23)

„Amen“ – „Das ist würdig und recht“ – „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir ...“ – das sind nicht einfach nur „Antworten“ der Gemeinde auf das, was der Priester sagt. Diese Worte und alles, was die Gemeinde sagt und singt, sind das Teil des Lobes Gottes, zu dem wir zusammenkommen. Das Priestertum aller Gläubigen (siehe 1.) wird so konkret. In den Gesängen und Gebeten der Gemeinde bringen die Gläubigen ihr Herz, ihre Gebete vor Gott. Das mag auch einmal (bei Heiserkeit o.ä.) im Stillen gelingen. Aber im Normalfall gehört der Gesang und das gemeinsame Gebet aller – neben dem persönlichen, stillen Gebet – zur Liturgie dazu. So können meine Schwestern und Brüder merken, daß ich nicht nur als Zuschauer hier bin, sondern als einer, der zu ihnen gehört, mit ihnen glaubt und betet.

Seit den Ursprüngen wird die Liturgie, Gebete, Lesungen und Psalmen, vollständig gesungen, oder es wird geschwiegen – zumindest im Idealfall. Das normale Sprechen ist die Ausnahme: Nur die Predigt und das „Herr, ich bin nicht würdig“ werden im Hochamt nicht gesungen, wenn denn alles gesungen wird, was zu singen ist. Als man seit dem Hochmittelalter in den großen Kirchen mehrere Altäre hatte, an denen die Priester oft gleichzeitung die Messe feierten, mußten sie flüstern, und so wurde das Singen zur Ausnahme. Diese stillen „Privatmessen“ sind heute die Ausnahme, aber trotzdem ist man nur teilweise und gelegentlich zum Singen der Liturgie zurückgekehrt. Das Sprechen scheint der Normalfall zu sein, das Singen die Ausnahme. Ebenso ist das Schweigen selten geworden, fast ständig wird etwas geredet, wenn man nicht Lieder singt. Das ist schade, denn es nimmt uns und der Liturgie etwas Wesentliches:

Papst Benedikt XVI., damals noch Kurienkardinal Joseph Ratzinger, schreibt: „Im Meer leben die Fische, und sie schweigen. Die Tiere auf der Erde schreien; die Vögel aber, deren Lebensraum der Himmel ist – sie singen. Dem Meer ist das Schweigen, der Erde das Schreien und dem Himmel das Singen zu Eigen. Der Mensch aber hat Anteil an allen dreien: Er trägt die Tiefe des Meeres, die Last der Erde und die Höhe des Himmels in sich, und deswegen gehören ihm auch alle drei Eigenschaften zu: das Schweigen, das Schreien und das Singen. Heute […] sehen wir, wie dem transzendenzlosen Menschen nur das Geschrei übrigbleibt, weil er nur noch Erde sein will und auch den Himmel und die Tiefe des Meeres zu seiner Erde zu machen versucht. Die rechte Liturgie […] lehrt ihn wieder das Schweigen und das Singen, indem sie ihm die Tiefe des Meeres auftut und indem sie ihn fliegen lehrt, das Sein des Engels; im Aufheben des Herzens bringt sie in ihm das verschüttete Lied wieder zum Klingen. Ja, wir können nun sogar umgekehrt sagen: Rechte Liturgie erkennt man daran, dass sie uns […] wieder die Tiefe und die Höhe zurückgibt, die Stille und den Gesang. Rechte Liturgie erkennt man daran, dass sie kosmisch ist, nicht gruppenmäßig. Sie singt mit den Engeln. Sie schweigt mit der wartenden Tiefe des Alls. Und so erlöst sie die Erde.“[2]

Schweigen und Singen sind wichtig, weil sie uns über die Grenze unseres Erdenlebens führen. Außerdem verbindet gemeinsames Schweigen und Singen viel mehr miteinander, als gemeinsames Sprechen.


7. Personen

Wir Christen sind durch Christus ein heiliges Volk geworden. Wir haben durch die Taufe und den Glauben Anteil am Leben Gottes. Das macht uns zu einer heiligen Gemeinschaft. Darum können mir meine Brüder und  Schwestern im Glauben nicht gleichgültig sein. „Ein Christ ist kein Christ“, hat schon Tertullian († 230) gesagt.

Da die Liturgie sozusagen die äußere Form unseres Glaubens ist, ist es wichtig, in ihr auf den Nächsten zu achten. Deshalb spielen die Anderen nicht nur praktisch, sondern auch in einem tieferen Sinn eine wichtige Rolle für mein eigenes liturgisches Verhalten.


a) Bischof, Priester, Diakon

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab;
wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
(Lk 10, 16)

Über die Herkunft und die Wichtigkeit der Amtsträger, die die Liturgie leiten, haben wir schon nachgedacht. Ohne Priester könnten wir die heilige Messe nicht feiern und Jesus in der Kommunion nicht empfangen. Der Priester feiert die Messe im Namen Jesu und im Auftrag des Bischofs, dessen Helfer, die Diakone, auch dem Priester zur Seite stehen. Ursprung dieser „Hierarchie“ (griech. „hierarchéia", d.h. wörtlich: heiliger Ursprung, heilige Ordnung) sind die Worte Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19) und „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10, 16), die er nicht zu allen seinen Jüngern gesagt hat, sondern nur zu besonderen Gesandten, den Aposteln, deren Nachfolger unsere Bischöfe sind, oder den zweiundsiebzig Jüngern, die er voraussandte.

Wenn man sich also in der Liturgie vor den Geweihten verneigt, wenn sie in der Prozession hinten gehen (das sind die vornehmsten Plätze) usw., dann nicht deshalb, weil sie so tolle Menschen wären, sondern weil durch ihr Weihe-Amt Jesus zu uns kommt und sich uns schenkt.


b) Mitmeßdiener

Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn
und zujauchzen dem Felsen unsres Heiles!
Laßt uns mit Lob seinem Angesicht nahen,
vor ihm jauchzen mit Liedern!
(Ps 94 [95], 1f)

Die Meßdiener bilden untereinander eine Ordnung: Man hat in der Regel seinen Partner, man geht den Diensten nach geordnet, ja sogar die Größe spielt eine Rolle.

Man dreht sich nach innen, also zum Mitmeßdiener hin, wenn man sich umdreht, die Kerzen werden in der Außenhand getragen usw.. Alles das dient – neben der Schönheit – dazu, daß die Mitmenschlichkeit, die in unserem Glauben eine äußerst wichtige Rolle spielt, auch in der Liturgie sichtbar wird. (Dreh dich mal von deinem Partner weg oder zu ihm hin: Du spürst, was gemeint ist.)

Zwei Ergänzungen dazu:

1.) Weihrauch bleibt immer zusammen (auch wenn die anderen z.B. an den Altarstufen auseinandergehen). Die beiden Thurifer drehen sich „wie ein Mann“, d.h. ihre Schultern bleiben in einer Linie, damit das Faß immer rechts bleibt.

2.) Wenn ein Meßdiener einzeln geht, weil von seinem Dienst (v.a. Ceroferare) eine ungerade Zahl da ist, geht er in der Mitte, und zwar, soweit noch andere von seinem Dienst mitgehen, in der letzten Reihe zu dritt. Wenn dieser Meßdiener sich umdreht, kann er die Richtung wählen. Möchte er es ganz richtig machen, so gilt die Regel: Das Herz zuletzt vom Altar weg und zuerst zum Altar hin, d.h. sich nach rechts vom Altar weg-, nach links zum Altar hinwenden.

In der Regel geht man als Meßdiener paarweise nebeneinander. Dabei ist darauf zu achten, daß die Schultern eine Linie bilden. Das ist besonders beim Gehen über Stufen schwierig. Deshalb gilt die Regel: Vor den Stufen zusammenkommen, erst nach den Stufen trennen, Stufen immer im rechten Winkel zur Stufenkante hinauf- und hinabgehen.

Wenn man mit mehreren hintereinander geht, hält man nach vorne etwa eine Armlänge Abstand.


c) Volk/Gemeinde

Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein.
(Ez 14,11)

Die Gläubigen, die keine besondere Rolle in der Liturgie wahrnehmen, nennt man „Volk“ oder „Gemeinde“. Diese Begriffe sind etwas irreführend, denn zur Gemeinde und zum Volk Gottes gehören auch die Amtsträger, die Lektoren, die Kommunionhelfer und die Meßdiener.

Daran, daß es so schwierig ist, für die Mitfeiernden ohne besondere liturgische Aufgabe einen Begriff zu finden, sieht man, daß alle Getauften aktive Träger der Liturgie sind. Es gibt im christlichen Gottesdienst keine reinen Zuhörer oder Zuschauer (es sei denn, es wären nichtchristliche Gäste oder ungläubige Beobachter). Alle feiern die heilige Messe oder den Gottesdienst.



8. Orte

a) Kirche

Gott in seinem Heiligtum ist voll Majestät, Israels Gott;
seinem Volk verleiht er Stärke und Kraft. Gepriesen sei Gott.
(Ps 67 [68], 36)

Die Kirche ist das Haus Gottes. „Kirche“ kommt vom griechischen „kyriaké“ und heißt: „die zum Herrn (kýrios) Gehörende“. Das bezeichnet sowohl die Gemeinschaft der Getauften als auch das Kirchengebäude. Hier begegnen wir dem Herrn in der Liturgie, in den Sakramenten, im Wort der Bibel, im persönlichen Gebet. „Zum Beten muß ich nicht in die Kirche gehen“, sagen manche. Und wir beten ja auch nicht nur in der Kirche. Doch es gibt für besondere Dinge besondere Orte: Wir kochen in der Küche, schlafen im Schlafzimmer, zum Essen haben wir oft sogar mehrerer Räume: die Küche für Werktags, das Wohn- oder sogar ein Eßzimmer für Sonn- und Feiertags.

So ist es auch mit dem Beten: Das Kirchengebäude ist geweiht für die Begegnung mit Gott. Stell dir mal vor, in der Kirche würde man Kaffee trinken oder Sport treiben: Du spürst, daß sie dazu nicht gemacht ist. (Manche Menschen haben das Gespür für diesen heiligen Raum leider verloren.)

In der Kirche triffst du auch außerhalb von Gottesdiensten immer wieder Menschen, die hier beten, Gott oder Maria oder einem anderen Heiligen ihre Freude oder ihre Not sagen, eine Kerze anzünden oder einfach nur die Stille suchen.

Die Kirche ist vom Bischof zur Kirche geweiht: An zwölf Stellen (zwölf Apostel) wurden die Wände mit Chrisam gesalbt. (Die Stellen an den Wänden sind meist durch die Apostelleuchter und Weihekreuze gekennzeichnet.) „Geweiht“ bedeutet: herausgenommen aus dem weltlichen Gebrauch, ganz für Gott bestimmt.

Deshalb ist die Kirche auch das Haus der heiligen Gemeinde, der „Kirche“ eben. Sie ist ihr „Bethaus“. Die Gemeinde der Christen ist eine heilige Versammlung, weil sie von Gott gerufen ist, der bei ihr ist und mit ihr geht, bis sie im Himmel in der ewigen Gemeinschaft mit ihm vereint ist. (Griechisch und lateinisch heißt „Kirche“ übrigens „ecclésia“, die „[aus allen Völkern] Herausgerufene [Gemeinde Gottes]“.)


b) Altar

So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude.
(Ps 42 [43], 4)

Der Altar ist der Ort, an dem in der Meßfeier Jesus und sein Kreuzesopfer gegenwärtig wird. Im Hochgebet erinnern wir uns an das viele Gute, das Gott uns allen getan hat, besonders und unübertreffbar in seinem Sohn Jesus Christus. Wir bitten um den Heiligen Geist, damit Brot und Wein zur Leib und Blut Jesu werden, dessen Worte aus dem Letzten Abendmahl („Das ist mein Leib“, „Das ist mein Blut“) den Höhepunkt des Hochgebetes bilden.

Weil dieses Unfaßbare auf dem Altar geschieht, ist er Ort der Begegnung mit Christus. Heute knien wir in der Kirche vor dem Tabernakel, um zu beten, früher lagen die Christen vor dem Altar.

Der Altar ist vom Bischof geweiht; er ist an fünf Stellen mit Chrisam gesalbt – entsprechend den fünf Wunden Jesu am Kreuz: Hände, Füße und Seite[3], die der römische Hauptmann Longínus mit der Lanze durchstieß. (Die Stellen sind durch Weihekreuze markiert.) Das macht den Altar zum Symbol für Christus. Deshalb ist er auch meist aus Stein. Er soll, wie die alten Opferaltäre, fest und unbeweglich mit der Erde verbunden sein. Der Stein des Altares erinnert an den Felsen, aus dem Gott in der Wüste sein Volk getränkt hat (Num 20, 2-13). Die Kirche sieht in diesem Felsen ein Bild für Christus: „Alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.“ (1 Kor 10, 4)

Im Altar sind Reliquien (Knochen) von Martyrern beigesetzt, also von Christen, die wegen unseres Glaubens umgebracht worden sind. Sie sind nun bei Gott, und auch so verbindet uns der Altar mit dem Himmel. Entweder findet sich das Reliquiengrab in der Platte oder im Block des Altares. Dieser Brauch rührt daher, daß man über den Gräbern der Martyrer Altäre errichtete, um darauf die Eucharistie zu feiern. Aus dem Grundsatz „kein Martyrergrab ohne Altar“ wurde dann bald „kein Altar ohne Martyrergrab“.

Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie abgelegt hatten. (Offb 6, 9)


c) Ambo

Ich will hören, was Gott redet:
Frieden verkündet der Herr seinem Volk
und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.
(Ps 84 [85], 9)

Der Ambo ist der Ort, an dem das Wort Gottes verkündet und ausgelegt wird. „Ambo“ kommt vom griechischen anabaíno“ = „hinaufsteigen“. Die Ambonen (so heißt die Mehrzahl von Ambo) waren in den alten Kirchen immer erhöht – und auch heute steht er in der Regel höher als der normale Fußboden –, das will den hohen Wert des Wortes Gottes symbolisieren.

Der Ambo ist zwar nicht geweiht. Aber dennoch ist er dem Wort Gottes zugeordnet und sollte nicht für anderes verwendet werden, außer für die Predigt und die Fürbitten.


d) Tabernakel (das) und Ewiges Licht

Und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen.
(Offb 7, 15)

Die konsekrierten (d.h. in den Leib Jesu verwandelten) Hostien, die nach der Kommunionausteilung übrigbleiben, werden im Tabernakel aufbewahrt für Kranke, die nicht zur Messe kommen können, denen die Priester, Diakone und andere Beauftragte die Kommunion bringen, und für die nächsten Meßfeiern, damit immer genug von der heiligen Kommunion da ist.

„Tabernáculum“ heißt „Zelt“. Hier „zeltet“ Jesus Christus unter den Menschen. Hier sind wir Jesus am nächsten, denn hier ist er wirklich da im Brot, in dem er uns Nahrung, „Mittel“ zum ewigen Leben sein will.

Zum Zeichen der Gegenwart Gottes brennt in der Nähe des Tabernakels das Ewige Licht, das sein Vorbild in der Feuersäule hat, in der Gott sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat. Übrigens brennt auch in den Synagogen vor dem Thoraschrein ein Ewiges Licht.

er Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein. Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes, und die Feuersäule nicht bei Nacht. (Ex 13, 21f)


9. Materie

Wir nehmen aus der „materiellen Welt“, der sichtbaren Welt, die wir sehen, schmecken, riechen, fühlen können, Dinge heraus, damit sie in der Liturgie zu heiligen Zeichen werden oder diesen dienen. Manche von diesen Dingen werden eigens für diesen Gebrauch im heiligen Dienst geweiht, das heißt: sie werden Gott geschenkt und sollen nun für nichts anderes mehr dienen: Aus einem Meßkelch trinkt man keine Limonade! Es gibt eine Fülle von solchen Dingen in der Liturgie. Einige davon sind hier ausgewählt.


a) Brot und Wein

Du läßt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut,
damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.
(Ps 103 [104], 14f)

Brot steht für das „tägliche Brot“, das wir durch unsere Arbeit herstellen oder verdienen. Brot ist Grundnahrungsmittel und symbolisiert unseren Alltag und unsere Lebensgrundlage. Die von den verschiedenen Feldern geernteten und zusammengetragenen, dann gemahlenen und gebackenen Körner stehen symbolisch für die vielen Menschen, die Gott zu dem einen Volk der Kirche vereint.

Jesus nahm beim Letzten Abendmahl Brot und machte es für uns zu seinem Leib. Immer wenn wir die heilige Messe feiern, wird das Brot beim Hochgebet zum Leib Jesu: Gott verwandelt unseren Alltag in sein göttliches Leben; Jesus ist unsere Lebensgrundlage, unser „Lebensmittel“.

Wein steht für das Fest. Wer Wein trinkt, genießt. Nur zum Löschen des Durstes trinkt man dieses edle, kostbare Getränk nicht. Wein symbolisiert alles Festliche und Schöne in unserem Leben. Wie die Körner beim Brot stehen die vielen Trauben, die zu einem Trank geworden sind, für die vielen Gläubigen in der Kirche, die durch das Blut Christi sozusagen zum Wein für die Welt werden: Zum Zeichen für das Fest, zu dem Gott alle Menschen ruft.

Jesus nahm beim Letzten Abendmahl den Kelch mit Wein und machte daraus sein Blut. In der hl. Messe wird aus dem Wein das Blut Christi: Gott verwandelt unsere Freude in sein göttliches Leben – alles Schöne ist aufgehoben und verwandelt in seiner Ewigkeit.


b) Wasser (Taufwasser, Weihwasser)

Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir:
Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
(Joh 3, 5)

Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde; ohne Wasser würden Menschen, Tiere und Pflanzen sterben. Wasser erfrischt; im Sommer ist ein Bad in einem See oder im Schwimmbad etwas Herrliches. Zugleich bedroht Wasser unser Leben z.B. bei Sturmflut oder Hochwasser. Unter Wasser können wir nicht atmen und sterben.

Zu Beginn der Schöpfung schwebte Gottes Geist über dem Wasser. In der Sintflut hat Gott die Sünder vernichtet. Durch das Wasser des Schilfmeers hat Gott sein Volk in die Freiheit geführt und seine Feinde vernichtet, in der Wüste mit Wasser aus dem Felsen getränkt. Johannes hat Jesus im Jordan getauft. Wasser steht also in der Bibel für Schöpfung und Leben, aber auch für Strafe und Tod und schließlich für die Rettung.

In den Wein wird bei der Gabenbereitung der Messe ein Tropfen Wasser gegeben. Er ist Zeichen für die Menschheit, die in Gott „aufgeht“; Gott ist so groß, daß er unser Menschsein in sein Leben hineinnehmen, daß er uns „vergöttlichen“ kann, ohne daß dadurch seine Gottheit kleiner würde.

Das Wasser spielt in der Taufe die entscheidende Rolle. Wir sind auf Christi Tod getauft, das heißt: das Übergießen mit Wasser (eigentlich Untertauchen; „döppen“ und „taufen“ sind dasselbe Wort) ist ein Symbol für den Tod Christi (Begrabenwerden) und zugleich für seine Auferstehung. Wer im Namen des Vaters und des Sohnes und den Heiligen Geistes getauft wird, vollzieht den Tod und die Auferstehung Christi nach und hat so teil an der Vergebung der Sünden und an seinem göttlichen Leben, die er uns erwirkt hat.

Das Weihwasser (z.B. an den Portalen) erinnert die Eintretenden an ihre Taufe: Wir bekreuzigen uns mit dem Wasser, um so erneut Ja zu sagen zu unserer Taufe, um Gott dafür zu danken, daß wir durch die Taufe zu Christus und seiner Kirche gehören dürfen und um ihn um seinen Segen zu bitten. Weihwasser wird zum Segnen benutzt.


c) Gold (siehe 10 a)


d) Weihrauch (siehe 10 c)


e) Leinen (siehe 11 a)


f) Wachs

Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet... 
(Osterlob „Exúltet“)

Die Kerzen für die Liturgie bestehen heute zu mindestens 10% aus Bienenwachs; der übrige Anteil ist meist Stearin, das billiger ist als echter Bienenwachs, für einen gleichmäßigen und rußärmeren Brand und besseres Licht sorgt.

Wachs und Honig gewinnen die Bienen beim sommerlichen Sammeln der Nahrung aus Blütensaft. Da ist „Sonne drin“, guter Duft und Geschmack und viel Fleiß. Wenn die Kerze brennt, gibt sie die gespeicherte Energie wieder ab – Wärme und Licht. Das ist ein Bild für Christus, bei dem wir Gottes „Licht und Wärme“ finden. Zugleich ist es ein Symbol für unseren Glauben, der uns den Weg zeigt und den Menschen leuchtet.

Um weißen (hellen) Wachs für die Kerzen herzustellen, sind viele Reinigungsvorgänge nötig. Darum war früher, als die Kerzen noch aus reinem Bienenwachs waren, die weißen Kerzen die kostbareren. Sie wurden an den Festtagen verwendet. Daher sind die Kerzen heute noch in der Advents- und Fastenzeit braun, also honigfarben.


g) Stein (siehe 8 b)


10. Geräte

Kelch und Patene/Ziborium werden „heilige Geräte“ genannt, weil sie für den Gebrauch in der Liturgie geweiht sind, also herausgenommen aus dem „normalen“ Alltag. Diese Geräte sind ganz für den Dienst vor Gott da.

Auch die anderen Geräte für die Liturgie haben ihre tiefere Bedeutung.


a) Kelch und Patene/Ziborium/Hostienschale

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi?
Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
(1Kor 10, 16)

Die wichtigsten Geräte in der Liturgie sind Kelch und Patene: In ihnen befinden sich Wein und Brot, die im Hochgebet zu Leib und Blut Jesu verwandelt werden. Deshalb sind sie (mindestens innen) aus einem edlen Material, meistens aus Gold. Das Allerheiligste, was es auf der Erde gibt – Leib und Blut Jesu – , ist uns Christen weit mehr wert als das kostbarste Material. Und wenigstens ein kostbares Material soll dazu dienen, das Allerheiligste aufzunehmen. Von Licht beschienenes Gold leuchtet außerdem besonders schön. Die edlen Materialien und Formen der heiligen Geräte sind ein Glaubensbekenntnis und ein Lobpreis auf die wirkliche Gegenwart Christi in Brot und Wein (Realpräsenz).

Den kleinen Teller, auf dem nur die große Hostie liegt, nennt man Paténe (d. h. eigentlich „Futterkrippe“), wenn viele Hostien hineinpassen, spricht man von Zibórium („Speisekelch“). Wenn das Ziborium keinen Schaft hat, wird es auch Hostienschale genannt.


b) Wein- und Wasserkännchen, Kelchlöffel

Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser!
Auch wer kein Geld hat, soll kommen.
Kauft Getreide, und eßt, kommt und kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!
(Jes 55, 1)

Die Kännchen oder Kannen, in denen Wein und Wasser zur Gabenbereitung zum Altar gebracht werden, enthalten nichts Heiliges, daher sind sie meist schlicht gehalten. Manchmal sind sie, damit man besser erkennt, was sie enthalten, markiert: „V“ für „vinum“ = Wein; „A“ für „aqua“ = Wasser. Das Weinkännchen ist manchmal innen vergoldet.

Wein als Gabe zur Gabenbereitung ist Zeichen für alles Festliche und Freudige unseres Lebens, für gelungenes Leben. Und deshalb ist der Wein zugleich Zeichen für das Leben Gottes, der das Leben selbst ist. Das Wasser bezeichnet die Alltäglichkeit unseres Lebens, auch das Schwere oder „Geschmacklose“.

Bei der Gabenbereitung gibt der Priester/Diakon einen Tropfen Wasser in den Wein – oft mithilfe eines Löffelchens – und betet: „Wie sich das Wasser mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“ Wein ist Zeichen des göttlichen Lebens, Wasser des menschlichen. Beides hat Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, in sich vereint. Wie der Wassertropfen in den Wein eingeht, so gehen wir durch die heilige Messe in Gott ein: Unser sterbliches Leben wird in sein ewiges verwandelt.


c) Weihrauchfaß und -schiffchen

Alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk;
das sind die Gebete der Heiligen.
(Offb 5, 8)

Weihrauch ist ein besonderes Harz, meist von der Südküste der arabischen Halbinsel. Es ist das einzige Harz, das beim Verbrennen die Atemwege nicht reizt, sondern beruhigt. Sein edler Duft hat ihn schon früh zu einer kostbaren und begehrten Gabe gemacht, die bald nur Königen und dann der Verehrung von Göttern vorbehalten war.

Im Alten Testament ist der Rauch der verbrannten Opfertiere und der Weihrauch Zeichen für die Gebete zu Gott (z.B. Psalm 141, 2: „Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe.“). Das Weihrauchopfer wird von Gott selbst angeordnet, als er die Anweisungen für den Kult im Bundeszelt[4], dem Vorläufer des Tempels, verfügt: Allein in der Thora, den ersten fünf Büchern der Bibel, ist siebzehnmal von Weihrauch die Rede.[5] Weihrauch wird also für die Kommunikation mit Gott verwendet. Er ist sozusagen sichtbares oder sichtbar gemachtes Gebet und Gotteslob.

Die Christen im römischen Reich weigerten sich darum, vor den heidnischen Götter- und Kaiserbildern (auch die Kaiser wurden als Götter verehrt!) Weihrauch zu opfern, weil sie damit den Glauben an den einen Gott verraten hätten, und wurden deswegen umgebracht.
Im Neuen Testament kommt Weihrauch an zwei für unsere Liturgie bedeutsamen Stellen vor:

1.) Eine der Gaben der Weisen aus dem Morgenland war Weihrauch (Mt 2,11). Zu den Gaben der „Heiligen Drei Könige“ heißt es in einem Hymnus zum Fest der Erscheinung des Herrn:

Den König kündet an das Gold,
dem Gott steigt auf des Weihrauchs Duft,
doch weist voraus auf Tod und Grab
der Myrrhenkörner Bitterkeit.

Indem die drei Weisen Jesus Weihrauch schenken, bekennen sie: Jesus ist Gott! Wenn wir in der Liturgie Weihrauch verbrennen, bekennen wir: Hier ist Gott! und beten ihn an.

2.) Im letzte Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, schreibt der Seher:

„Als es (das Lamm, d.h. Jesus) das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.“ (Offb 5, 8)

Weihrauch ist also auch im Neuen Testament sichtbares Gebet.

Neben der Verehrung Gottes wird Weihrauch auch als Bitte um Schutz vor dem Bösen verwendet (z.B. bei Haussegnung – auch beim Sternsingen).

Weihrauch ist ein Harz. Man gewinnt ihn, indem man die Rinde des Weihrauchbaumes ritzt. Er kommt also aus einer Wunde; die Weihrauchkörner sind getrocknete „Bluttropfen“ oder „Tränen“ des Baumes. Wir können also beim Verbrennen des Weihrauchs auch an das denken, was uns verwundet oder traurig gemacht hat. Was nun passiert, wird zum Zeichen: Er beginnt zu duften, wenn man ihn auf einer glühenden Kohle verbrennt. Unsere Traurigkeiten, die dunklen Momente unseres Lebens gewinnen ihre Schönheit, wenn wir sie im Gebet zu Gott aufsteigen lassen, weil wir so den tieferen Sinn erkennen.

Das Weihrauchfaß enthält die Kohle, das Schiffchen den Weihrauch. Der Dienst als Thurifer (Rauchträger) ist der vornehmste, den der Ministrantendienst zu bieten hat. Der Weihrauch geht immer vor dem (höchsten) Christuszeichen, d.h. im Normalfall vor dem Kreuz, in der Osternacht vor der Osterkerze (Zeichen des Auferstandenen), in einer Prozession mit dem Allerheiligsten vor diesem – traditionell sogar rückwärts und das Allerheiligste ununterbrochen inzensierend.



d) Leuchter und Kerzen

Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen,
sondern wird das Licht des Lebens haben.
(Joh 8, 12)

Die Evangelienleuchter gehen beim Einzug neben oder (wenn nicht genügend Platz ist) vor dem Kreuz. Sie leuchten Christus voran, um anzuzeigen: Hier kommt das Licht der Welt.

Ihre Hauptaufgabe ist das Leuchten zum Evangelium. Im Evangelium spricht oder handelt Christus selbst. Deshalb ist es der Höhepunkt des Wortgottesdienstes, vergleichbar mit der Wandlung in der Eucharistiefeier. Um das sichtbar zu machen, stehen die Evangelienleuchter links und rechts vom Ambo – mit dem Gesicht zum Evangeliar.

Auch die anderen Kerzen (Flambeaus, Altarkerzen) sind Zeichen dafür, daß Gott das Licht ist, das die Dunkelheit unserer Traurigkeit, unserer Sinnlosigkeit, unsrer Orientierungslosigkeit hell macht, weil sein Sohn gekommen ist, für uns gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Die Orte in der Kirche und die Teile der Liturgie, die das besonders deutlich machen, heben wir durch Kerzen hervor.

Die Kerzen, die wir in den Händen halten (z.B. in der Osternacht oder am Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmeß) oder die wir vor dem Tabernakel, einem Kreuz oder einem Heiligenbild entzünden, sind Zeichen unseres Glaubens und unserer Hoffnung auf Christus. (Vgl. Mt 25, 1-13)


e) Lavabogerät (zur Handwaschung)

Ich wasche meine Hände in Unschuld; ich umschreite, Herr, deinen Altar,
um laut dein Lob zu verkünden und all deine Wunder zu erzählen.
(Ps 25 [26], 6f)

Die Handwaschung hat ihren Ursprung in dem altkirchlichen Brauch, daß zur Kollekte („collecta“ = „Sammlung“) Naturalien (Lebensmittel, Erntegaben) für die Armen zum Altar gebracht wurden. Die Priester, die diese Gaben entgegennahmen, wuschen anschließend ihre Hände, weil sie ja – spätestens zur Kommunionausteilung – das Allerheiligste anfassen mußten.

Auch wenn heute zur Kollekte nur noch Geld gespendet wird und die Sammlung von Kollektanten übernommen wird, ist die Handwaschung erhalten geblieben.

Sie hat einen übertragenen Sinn erhalten: Der Priester betet zur Handwaschung: „Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein!“ So ist das „Lavabo“ (lateinischer Anfang des alten Handwaschungsgebetes des Priesters) zu einer symbolischen Bitte geworden, daß Gott dem Priester seine Schuld vergeben möge, der nun mit der Gemeinde das heilige Opfer feiert. Denn Gott ist vollkommen, und wir Menschen erfahren immer wieder, daß wir vor Gott schuldig werden. Deshalb ist es ein großes Geschenk Gottes, daß er uns das Allerheiligste, seinen Sohn, in die Hand gibt. Dieses Geschenk ruft uns zur Bitte um Vergebung unserer Schuld.


f) Glocken und Schellen

Den Vorstehern der Leviten befahl David, sie sollten ihre Stammesbrüder, die Sänger, mit ihren Instrumenten, mit Harfen, Zithern und Zimbeln, aufstellen, damit sie zum Freudenjubel laut ihr Spiel ertönen ließen. Die Sänger Heman, Asaf und Etan schlugen die bronzenen Zimbeln.
(1Chr 15, 16.19)

Glocken bestehen aus Bronze, seltener aus Stahl. Metall wird aus Erz gewonnen und durch Feuer hergestellt. Aus der Erde genommen wird es durch die Flamme geläutert und zum Klingen befähigt. Das ist ein Bild, daß der Mensch, dessen Leib von der Erde stammt, durch das Feuer des Glaubens „veredelt“ und zur Schönheit des Gotteslobs befähigt wird.
Glocken und Schellen geben Signale in der Liturgie: Glocken werden geläutet, um die Gläubigen zum Gottesdienst in die Kirche zu rufen. Daran, welche Glocken geläutet werden, kann man hören, ob ein Fest, ein normaler Sonntag, Werktag oder Bußzeit ist. Die Glocken haben oft Heiligennamen, so daß in manchen Gemeinden die Glocke am Fest ihres Heiligen eine besondere Rolle in der Läuteordnung bekommt.

Die Schellen der Ministranten werden zur Wandlung und bei Prozessionen mit dem Allerheiligsten geläutet, an Gründonnerstag und in der Osternacht schellt man auch zum Gloria. Oft wird auch zum Evangelium und zur Wandlung eine Glocke im Turm angeschlagen oder geläutet. Immer sind das Signale dafür, daß der lebendige Christus da ist. Dafür soll man durch das Schellenzeichen aufmerksam werden.

Die Glocken im Turm rufen morgens, mittags und abends mit dreimal drei Schlägen zum privaten Gebet, zum Angelus („Gotteslob“ Nr. 3, 6), bzw. in der Osterzeit zum Regina cæli („Gotteslob“ Nr. 3, 7).

Zwischen dem Gloria am Gründonnerstag und dem in der Osternacht schweigen die Glocken aus Ehrfurcht vor dem Leiden Christi, dessen wir in den Tagen vor Ostern gedenken.


g) Orgel

Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, [...]
lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!
(Ps 150, 3.4)

In der abendländischen Liturgie hat die Orgel ihren festen Platz – zur Begleitung des Gesangs von Gemeinde, Kantor, Schola und Chor, aber auch als solistisches Instrument. Die „Königin der Instrumente“ vermag wie kaum ein anders, unsere Seele in die rechte „Stimmung“ zu versetzen, um dem Herrn zu begegnen und ihm zu lobsingen. Das hat viele Gründe – einer ist sicher ihr stehender Ton, der durch den Luftstrom in den Pfeifen solange klingt und unverändert bleibt, wie eine Taste gedrückt ist: Vielleicht erzeugt dieser Klang in uns ein Gefühl von Ewigkeit.

Die Orgel schweigt in der Fastenzeit (klassisch auch im Advent) oder wird nur zur Begleitung des Gesanges gespielt. Vom Gloria am Gründonnerstag bis zum Gloria der Osternacht schweigt sie auf jeden Fall ganz. Das rührt daher, daß in den ersten Jahrhunderten die christliche Liturgie ganz ohne Instrumente gefeiert wurde, so wie es bis heute die orthodoxen und orientalischen Kirchen tun. Wenn man im Westen auch die Orgel und andere Instumente für die Liturgie zugelassen hat, blieb man an den heiligsten Tagen des Jahres doch beim alten Brauch.


h) Fahnen

Alle Israeliten sollen bei ihren Feldzeichen lagern, jede Großfamilie mit einer eigenen Fahne. Sie sollen rings um das Offenbarungszelt so lagern, daß es jeder vor sich hat.
(Num 2, 2)

In sehr feierlichen Gottesdiensten, vor allem bei Prozessionen, führen wir Fahnen mit. Sie sind liturgisch gesehen das niedrigste Beiwerk, als letztes zur liturgischen Ausstattung dazugekommen, haben aber dennoch eine große Wirkung: Der wallende Stoff in seiner verschwenderischen Menge und leuchtenden Farbe gibt der Liturgie einen festlichen Glanz, der an ritterliche Feste erinnert.

Fahnen geben der Liturgie „Farbe“. Sie drücken aus, daß hier etwas ungemein Kostbares gefeiert wird und heben die Herzen der Mitfeiernden in Festtagsstimmung.

Oft sind auf den Fahnen Symbole zu sehen, die auf den Inhalt des Festes verweisen oder auf die Gruppe, die durch diese Fahne (dann ist es ein Banner) vertreten wird.


11. Gewänder

Die liturgischen Gewänder heißen Paraménte. „Paráre“ heißt „bereiten“ und „mens“ „Geist“ (lat.). „Paramente“ sind also „Geistbereiter“: Diese Kleider helfen denen, die sie tragen, in der richtigen Haltung Gott in der Liturgie zu dienen. Auch denen, die sie sehen, sollen die Paramente helfen, das was in der Liturgie geschieht – und das ja unsichtbar ist – bewußt mitzufeiern.


a) Albe und Rochett, Altarwäsche

Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. 
(Offb 7, 13-17)

Die Albe, das weiße Untergewand der Diakone, Priester und Bischöfe in der Meßfeier, und das Rochett sind eigentlich nichts anderes als das Gewand aller Christen: das Taufkleid. Weiß ist die Farbe des Lichtes, das Zeichen für das göttliche Leben ist.

Die Altarwäsche und die weißen Grundkleidungsstücke der Liturgie, Albe, Schultertuch und Rochett sind meistens aus Leinen, einem weißen, feinen und zugleich festen Stoff. (Früher war übrigens nur Leinen erlaubt, weil es eine Pflanzenfaser (Flachs) ist, zu deren Herstellung viel mühsame Arbeit nötig ist – Zeichen für das Bemühen der Christen, nach Gottes Willen zu leben.)

Leinen wird auf dem Altar ausgebreitet als Zeichen für unsere reine, feste Gesinnung, mit der wir zu Gott kommen und uns ihm schenken wollen. In weißes Leiden gekleidet treten wir vor Gott – dürfen es wagen, weil er uns gereinigt hat durch das Blut seines Sohnes, also durch seinen Tod, der uns von der Sünde befreit hat.


b) Talar und Soutane/Toga

Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.
(1Sam 16, 7)

Das schwarze oder farbige Untergewand hat liturgisch keine Bedeutung; es verdeckt nur die Straßenkleidung. Es macht aber deutlich, daß wir vor Gott gleich sind, ohne Ansehen der sozialen Stellung usw..

Wir sprechen bei der Soutane (sprich: „Sutáne“; auch Toga genannt) des Priesters auch vom „geistlichen Gewand“ – und das gilt in einem gewissen Sinn auch für die Talare der Meßdiener. Dieses lange Kleid macht dem Träger deutlich, daß er nun etwas Nicht-Alltägliches, etwas Heiliges tut. Der Talar eignet sich nicht für etwas Hektisches, Schnelles oder Grobes. Er hilft dem Träger, mit seinen Gedanken bei sich und bei Gott zu sein.


c) Schultertuch/Humerale (Amikt)

Herr, stell eine Wache vor meinen Mund,
eine Wehr vor das Tor meiner Lippen!
(Ps 140 [141], 3)

Das Schultertuch (von Bischof, Priester und Diakon) umschließt den Hals. Damit bittet der Träger Gott darum, daß jedes Wort, das in der Liturgie seinen Mund verläßt, im Sinne Gottes – und nicht nur des Sprechers – erfolgen soll. Ursprünglich wird es wie eine Kapuze angezogen und dann über das Meßgewand nach hinten gelegt. In dieser alten Form nennt man das Schultertuch Amíkt.


d) Zingulum

So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand. Eßt es hastig! Es ist die Paschafeier für den Herrn.
(Ex 12, 11)

Das Zingulum (lat. „Gürtel“) erinnert daran, daß das Volk Israel das Paschamahl vor dem Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft gegürtet gegessen hat, um zum Aufbruch bereit zu sein. Der Priester feiert die Messe gegürtet zum Zeichen dafür, daß wir Christen aufbruchbereit sind: Gott wird uns befreien aus aller Bedrängnis. Wir halten uns für diese Befreiung bereit, die in der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi schon geschehen, in der Liturgie neu gegenwärtig wird und sich einmal vollenden soll.


e) Stola

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.
(Mt 11, 29f)

Die Stola ist das Zeichen der geweihten Amtsträger: der Diakone, Priester und Bischöfe. Wer die Stola trägt, handelt im Namen und Auftrag Christi und der Kirche. Sie steht sie für das leichte „Joch“ Jesu (vgl. Mt 11, 29), also die Verbindung mit ihm im Dienst vor Gott und an den Menschen. In diesem Dienst ist Christus den Amtsträgern nahe und stärkt sie. Wer die Stola anlegt, läßt sich von Jesus „einspannen“.


f) Kasel (Meßgewand) und Dalmatik

Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
(Ps 138 [139], 5)

Das eigentliche Festgewand der Liturgie ist für den Bischof und den Priester die Kasel (lat. cásula, planéta), für den Diakon die Dalmatik.

Die Kasel sagt durch ihre üppige Stoffmenge und ihre meist wertvolle Machart etwas über die Fülle des Lebens, die uns Gott verheißen hat, und an der wir in der Liturgie „vorauskostend“ teilnehmen, also in Zeichen aber dennoch wirklich. Die Kasel umhüllt seinen Träger, verdeckt ihn geradezu. Seine Person tritt zurück hinter seiner Aufgabe und Rolle in der heiligen Feier, die er durch seine Weihe erhalten hat. Die Kasel symbolisiert auch die Liebe Gottes, die uns Menschen so umfängt wie die Kasel ihren Träger. „Casula“ (Verkleinerungsform von „casa“ = „Haus“) heißt „Häuschen“: Wir wohnen in Gottes Liebe.
Die Dalmatik der Diakone ist weniger großzügig geschnitten. „Diákonos“ (griech.) heißt „Diener“: Die bescheidenere Form seines Gewandes macht die dienende Funktion seines Amtes deutlich.

Kasel, Dalmatik und Stola haben im Kirchenjahr wechselnde Farben:
  • Weiß für Feste und Festzeiten
  • Violett für die Vorbereitung auf große Feste (Bußzeiten und -tage)
  • Rosa für die Sonntage nach der Mitte der beiden Bußzeiten: 3. Adventsonntag („Gaudéte) und 4. Fastensonntag („Lætáre) als Farbe der Vorfreude
  • Rot für Palmsonntag, Karfreitag, Pfingsten und Martyrerfeste (Leiden des Herrn, Blut und Heiliger Geist)
  • Grün für die „normale“ Zeit im Jahreskreis als Farbe der Hoffnung (übrigens war Grün im Mittelalter an manchen Orten die Farbe des Pfingstfestes, das so das ganze Jahr prägte)
  • Schwarz für Totenmessen als Farbe der Trauer (in der alten Ordnung auch am Karfreitag).


g) Manípel

Möge ich würdig sein, o Herr,
das Tuch (manípulum) der Tränen und der Betrübnis zu tragen,
auf daß ich mit Freude den Lohn für meine Mühe empfange.
(Aus den Ankleidegebeten des Priesters)

Die kleine „Stola“, die der Priester bei der Messe über dem linken Arm trägt, ist in der neuen Meßordnung abgeschafft. In der alten wird sie getragen und in vielen Sakristeien liegen sie noch in den Schubladen bei den alten Gewändern. Das Manipel (lat. manus = Hand, manipulum = Schweißtuch, später Ziertuch) ist früher ein (kostbares) Schweißtuch gewesen, das man in spätrömischer Zeit in der Hand oder am Arm trug. Als gottesdienstliches Kleidungsstück ist es Symbol für die Mühen des Glaubens und für die Sorgfalt, mit der die Liturgie gefeiert werden soll.


h) Mitra und Stab

Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde!
(1Petr 5,2f)

Mitra und Stab sind Zeichen des Bischofs und der Äbte (Klostervorsteher). Die Mitra ist die Kopfbedeckung der Bischöfe, wahrscheinlich ursprünglich nur die des Papstes. Sie hat ihren Ursprung wohl im jüdischen Tempel, in dem der Hohepriester zum Opfer eine ähnliche Kopfbedeckung trug.

Der Stab ist ein Hirtenzeichen: Die Krümme dient dem Hirten dazu, Schafe, die sich von der Herde zu trennen drohen, zurückzuholen. Ursprünglich Zeichen der Äbte, haben heute fast alle Bischöfe einen Stab als Zeichen dafür, daß sie für ihr Bistum sorgen wie ein Hirt für seine Herde. Der Papst hat übrigens als Bischof von Rom eigentlich keinen Stab; man ist hier länger beim alten Brauch geblieben. Der Kreuzstab des Papstes ist neu (unter Papst Paul VI. eingeführt).


i) (Kelch-, Schulter-) Velum

Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
(Ex 3, 6)

Das Verhüllen von Gegenständen oder Körperteilen ist ein Zeichen von Ehrfurcht. Es zeigt an, daß wir es hier mit etwas Besonderem, etwas Heiligem zu tun haben. Die Hülle hindert uns daran, es achtlos in die Hand zu nehmen. Wir werden aufmerksam und vorsichtig.

Daher wird der Kelch mit der Patene (und der Hostie darauf) vor der Messe mit einem Velum (lat. Segel) verhüllt. Denn sie sind der Ort, an dem Gott gegenwärtig wird.

Zum sakramentalen Segen trägt der Priester ein Schultervelum, mit dem er die Monstranz anfaßt. Damit wird deutlich, daß er in der Monstranz das Allerheiligste, Christus selbst in den Händen trägt.


j) Antepéndium (lat. „Vorhang“)

In manchen Kirchen werden der Altar und/oder der Ambo mit einem Antependium verhüllt. Oft gibt es verschiedene Antependien für die Kirchenjahreszeiten. Dieses Tuch ist meist aus kostbarem Stoff und nicht selten mit Stickereien verziert, die Bezug zur Eucharistie haben.

Das Antependium dient der Zierde des Altars und der Raumes. Besonders, wenn es zu den Paramenten des Priesters paßt, ergibt sich ein wunderbar „geschlossenes“ Bild.

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[1] „Priester“ im christlichen Sinn ist nicht das, was ein Priester der alten Religionen war, also ein Mittler, ohne den es keinen Kontakt zu Gott gäbe: Der jüdische und heidnische (Hohe-) Priester heißt auf Griechisch „hiereús“, auf Lateinisch „sacérdos“, was bedeutet, daß er „das Heilige gibt“, ja, eine „heilige Gabe“ ist. In diesem Sinne sind alle Christen Priester. Der christliche Priester („Priester“ kommt vom griechischen „presbýteros“ – lat. „présbyter“ – und heißt „Ältester“) ist ein von Gott und dem Bischof gerufener und geweihter Christ, der dem Leben und dem Beten des christlichen Volkes dient, indem er es leitet.

[2] Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.), Gesammelte Schriften. Theologie der Liturgie, Freiburg/Br. 2008, S. 546f – unter Bezug auf Mahatma Gandhi.

[3] Eine andere Tradition zählt die Füße als eine Wunde und nimmt die Dornenkrone hinzu.

[4] Im Bundeszelt wurde die Bundeslade mit den Tafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt. Sie war der Ort, wo Gott unter seinem Volk wohnte. Nur Mose, später die Hohenpriester durften das „Allerheiligste“, den Raum mit der Bundeslade betreten. König Salomon baute in Jerusalem den Tempel, der das Bundeszeit ablöste.

[5] Ex 30, 34; Lev 2, 1; Lev 2, 2; Lev 2, 15; Lev 2, 16; Lev 5, 11; Lev 6, 8; Lev 24, 7; Num 5, 15; Num 16, 7; Num 16, 17; Num 16, 18; Num 16, 35; Num 17, 5; Num 17, 11; Num 17, 12; Dtn 33, 10